Cantabonn
Von Mathias Nofze
St. Marien. Der biblische Schöpfungsgeschichte
- wie soll man ihr musikalisch begegnen? Auf Augenhöhe, dachte sich der
amerikanische Komponist Aaron Copland und entschied sich für ein Chorwerk,
das mit seinen monumentalen Ausmaßen, seiner aufrüttelnden Kraft und seiner
Erhabenheit dem Mythos zu entsprechen schien.
Nur wenige Chöre wagen es, diesen gigantischen
A-cappella-Brocken mit dem Titel »In the beginning« zu stemmen.
Der Bonner Kammerchor tat es jetzt in St. Marien in Bad Godesberg und
bewies dabei einmal mehr ein eindrucksvoll hohes Niveau. Copland schrieb
das Stück 1947 mit Blick auf die Befreiung Europas vom Nazi-Terror.
Ritornellartige, im Sprechduktus gehaltene Passagen
kündigen die jeweiligen Schöpfungstage an, einer Mezzosopranistin (Alexandra
Thomas nuancereich und expressiv) sind die Verkündigungen Gottes zugedacht,
die einzelnen Schöpfungsszenen nutzt Copland zu Klangbildern von faszinierender
Eindringlichkeit.
Dem Chor unter Philipp Ahmann gelang eine überaus
eindringliche Wiedergabe. Trotz manchmal höchster Kraftentfaltung war
der satte Chorklang so gut wie nie gefährdet, gerieten zarte Partien wunderbar
transparent. Schön gerundeten, dabei plastisch deklamierenden Chorgesang
hatte man zuvor bereits in Mendelssohns berühmten »Richte mich Gott«
bewundern können.
Das Thema »Licht« respektive den Schöpfungsgedanken
(und damit auch das Motto des Festivals CantaBonn, in dessen Rahmen das
Konzert stattfand) nahmen auch Gustav Mahlers »Urlicht« (in
der Bearbeitung von Clytus Gottwald) und David Langs »Evening morning«
auf.
Langs Komposition bildete in seiner minimalistischen
Klangsprache, die stets ähnliche Motive prismatisch neu beleuchtet und
damit den Eindruck von Zeitlosigkeit hervorruft, einen reizvollen Gegenpol
zu Coplands Breitwandgemälde.
Nicht das Licht des beginnenden Lebens, sondern
das »Lux aeternam« nach dem Tod thematisierten Werke von Brahms,
Elgar und Jaakko Mäntyjärvi, die gleichfalls bewegende Darstellungen erfuhren.
Mäntyjärvi widmete das »Canticum Calamitatis Maritimae« den
Opfern des Fährunglücks 1994 in der Ostsee, als die Autofähre »Estonia«
sank und dabei mehr als 900 Menschen in den Tod riss.
Bonner Generalanzeiger, 28.06.2010
Ewiges Licht
Bonner Kammerchor im Weggental
Rottenburg. Vom ersten Takt an erfreute der Bonner
Kammerchor am Samstagabend die hundert Besucherinnen in der Walfahrtkirche
Weggental mit zugleich präziser und lebhafter musikalischer Gestaltung.
Die vierzig Sängerinnen und Sänger unter der Leitung des vorzüglichen
Dirigenten Philipp Ahmann hatten ein originelles Programm zum Thema »Licht«
einstudiert.
Es begann mit Mendelssohns achtstimmiger Psalmvertonung
»Richte mich, Gott«. Dynamisch ideal ausgewogen waren die
Wechselgesänge zwischen Frauen- und Männerstimmen, durch ihre samtweiche
Qualität besonders berückend die Legato-Überblendungen der Tenöre und
Bässe. Der dritte Vers, »Sende dein Licht«, führt dann erstmals
Männer- und Frauenstimmen zusammen. Leuchtkräftig intonierte der Chor
den Wechsel von Moll zu Dur, geschmeidig gelang der Übergang zum Andante-Tempo
und Dreiachtel-Takt, kräftig das finale Fortissimo.
Eins der längsten A-cappella-Werke überhaupt ließ der
Chor folgen: Die einsätzige Motette für Mezzosopran-Solo und vier- bis
achtstimmigen Chor »In the beginning« von Aaron Copland, eine
Vertonung der biblischen Schöpfungsgeschichte. Die Solisten Alexandra
Thomas erwies sich als Idealbesetzung. Klug disponierte sie die Steigerungen,
vom entspannten, freundlichen Erzählton der Einleitung über die erregte
(»fast atemlos« schreibt der Komponist vor) Nervosität bei
der Schaffung der »Lichter am Himmel« bis zum großen, ausdrucksstarken
Solo bei der Stelle, die von der Erschaffung des Menschen berichtet.
Aufregend im besten Sinn klang das Gegeneinander von
hohen fis der Solistin und dem kräftigen Chor-Tutti, als »die großen
Lichter« geschaffen werden, Sonne und Mond. In elegant geschwungenen
Bögen sangen die Bässe vom entstehenden Meeresgetier, simultan die Frauenstimmen
vom »fowl that may fly above the earth« (Vögel sollen fliegen
auf Erden). Diskret swingte der Chor beim Abschnitt, der dem Menschen
die Herrschaft über die Erde verleiht, machtvolles, enorm klangschönes
Fortissimo zum Schluss: »And man became a living soul - Und so ward
der Mensch ein lebendiges Wesen«.
Staunenswert zahlreiche Pianoabstufungen und Farbwirkungen
wurden in der Mahler-Bearbeitung »Urlicht« von Clytus Gottwald
für acht- bis neunstimmigen Chor erziehlt. Die Aufführung der Sängerinnen
und Sänger aus Bonn stand der Referenz-Interpretation durch das Südwestrundfunk-Vokalensemble
in nichts nach.
Höhepunkt der zweiten Programmhälfte war das Requiem
für die Opfer des Untergangs der Autofähre Estonia 1994 von Jaakko Mäntyjärvi,
»Canticum calamitatis maritimae«. Den Requiem-Abschnitt »lux
aeterna luceat eis - Das ewige Licht leuchte ihnen« wiederholte
der Chor flüsternd, während ein Solosopran zum Lamento anhob. Auch in
Brahms' Motette »Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen«
überließ der Chor keinen Takt der bloßen Routine. Anhaltender Beifall
für Solistin und Chor.
Südwestpresse, Regionale Kultur, 07.06.2010
Kammerchor besingt die Schöpfung
Von Angela Baum
Rottenburg. An die hundert Zuhörer kamen am Samstagabend
in die Wallfahrtskirche Weggental, um zwei Stunden wunderbarer Kammermusik
zu genießen. Dabei stand die Schöpfungsgeschichte im Mittelpunkt. Unter
dem Motto »Ins Licht« begeisterte der Bonner Kammerchor am
Samstagabend die Besucher.
Die zeigten sich begeistert von den Darbietungen der
Sänger. Achtstimmig sang der Chor unter der Leitung von Philipp Ahmann
zum Auftakt den 43. Psalm »Richte mich Gott« in der Fassung
von Felix Mendelssohn Bartholdy. Das Werk schwankt zwischen zweifelndem
Bitten und glaubendem Vertrauen. Diese Zerrissenheit arbeiteten die Sänger
wunderbar heraus.
Einer der Höhepunkte des Konzertabends war sicherlich
der Schöpfungsgesang des Chores »In the beginning« von Aaron
Copland. Zugrunde liegt der Komposition der englische Bibeltext der Schöpfungsgeschichte
aus dem Buch Genesis. Die Mezzosopranistin Alexandra Thomas sang die Geschichte
von der Erschaffung der Welt und des Menschen im Wechsel mit dem gemischten
Chor. Strahlend und eindringlich war der Gesang – Aaron Copland schrieb
das Werk 1947 unter dem Eindruck der Schreckensherrschaft der Nazis. Der
überwiegende Teil des Werkes wird durch einander abwechselnde Passagen
von Mezzosopran und vierstimmigen Chorsatz gestaltet. Die Solistin übernahm
dabei den Part der Verkündigungen Gottes. Lebendig und spannungsreich
ahmte die Musik das Aufblitzen der Sternenlichter am Himmel, das lebhafte
Fließen des Wassers oder die Lebewesen im Meer nach.
Von David Lang stammt das Werk »Evening Morning
Day« für einen A Capella-Frauenchor. Hier sangen die Frauen des
Bonner Kammerchores, die Unisono oder im Sprechgesang agierten. David
Lang setzt sich in seiner modernen Komposition mit der Schöpfungsgeschichte
auseinander und lässt im Text nur die Nomen übrig. Sentimentaler Gegenpol
hierzu war Gustav Mahlers Werk »Urlicht«, das die Sänger zart
und fein interpretierten. Eine der vierzehn Enigma-Variationen für achtstimmigen
gemischten Chor bearbeitete John Cameron, wobei er das Rätselhafte der
Komposition nachzeichnet. Ein flehentlicher Tonfall und samtige, pastellfarbene
Klänge prägten das Werk.
Höhepunkt des zweiten Teils des Konzertes war das Werk
des finnischen Komponisten Jaakko Mäntyjärvi über den Untergang der Autofähre
Estonia im Jahr 1994. Zuerst hörte man nur das Hauchen der Sänger, ein
»Lalalala« einer einzelnen Sängerin kam hinzu. Mit Summen
wurde das Säuseln des Windes nachgeahmt. Dann erzählte der Chor die tragische
Geschichte vom Sinken der Estonia, wobei der Gesang in lateinischer Sprache
erklang. Dramatisch und spannungsgeladen agierten die Musiker hierbei.
Mit der Motette »Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen«
von Johannes Brahms endete das virtuose Konzert des Bonner Kammerchores.
Stuttgarter Nachrichten, 07.06.2010
Namen-Jesu-Kirche - Musik zur Marktzeit
Von Mathias Nofze
In eine betörend schöne Klangwelt führt Eric Whitacres
Chorwerk »Lux Aurumque« den Hörer. Akkorde werden zu magischen
Gebilden, die matt schimmern oder prismatisch leuchten. Das Werk verbreitet
eine mystische Aura, ähnlich dem »O magnum mysterium« von
Morten Lauridsen. Mit dem Bonner Kammerchor fand das Stück einen äußerst
klangsensiblen, fabelhaft rein und und tonschön singenden Interpreten.
Das Ensemble unter der Leitung von Philipp Ahmann gastierte
in der letzten »Musik zur Marktzeit« in der Namen-Jesu-Kirche
und bot in dem vollbesetzten Gotteshaus eine »Musik zum Advent«,
die mit Brahms' Motette »Es ist das Heil uns kommen her« begann.
Das von Brahms' Bachverehrung zeugende Stück erklang mustergültig, was
die Balance von Klangfülle und Durchsichtigkeit betrifft.
Nicht anders in Mendelssohns Doppelchor »Warum
toben die Heiden?«, der mit kraftvoller Eleganz und rundem Klang
gesungen wurde. Den Favoritchor konnte Ahmann mit kompetenten Solisten
aus eigenen Reihen besetzen.
Dass die Stimmgruppen des Ensembles wunderbar ausgeglichen
und schlackenfrei klingen, konnte man nicht zuletzt in Distlers quellklar
und federnd dargebotenen Choralvariationen über »Joseph, lieber
Joseph mein« bewundern.
Purer Ohrenschmaus waren schließlich Duruflés demütiges
»Ubi caritas«, Kodàlys hochgestimmtes »Veni Emmanuel«
und Griegs inniges »Ave maris stella«.
Bonner Generalanzeiger, 21.12.2009
Das Spiel mit der Zeit
Der Bonner Kammerchor in St. Maria Magdalena
Von Christian O. Gazsi Laki
»Komm, süßer Tod, komm, sel'ge Ruh!« schallt
es in sphärenhaften Klängen aus fünf Richtungen in der Kirche St. Maria
Magdalena. So klingt es, wenn Knut Nystedt (geboren 1915) sich in seinem
Werk »Immortal Bach« von Johann Sebastian Bach inspirieren
lässt ein Spiel mit der musikalischen Zeit, das den meditativen
Mittelpunkt beim Saisonauftakt des Bonner Kammerchors bildete. Das überaus
gelungene Konzert unter der Leitung Philipp Ahmanns stand vornehmlich
im Zeichen des Mendelssohn-Jahres. So war es nahe liegend, auf die geistige,
interpretations- oder auch kompositionsgeschichtliche Achse Bach-Mendelssohn
zu setzen. Ein gutes Konzept, wenn die Wahl der Werke sich derart harmonisch
ineinanderfügt wie an diesem Abend.
So wirkte neben Bachs Motette »Der Geist hilft
unser Schwachheit auf« (BWV 226) und Mendelssohns »Denn er
hat seinen Engeln befohlen« (Elias) Schönbergs spätromantisches
Chorwerk »Friede auf Erden« nicht als Fremdkörper, vielmehr
als schlüssige Konsequenz. Gesungen wurde dabei auf höchstem Niveau. Der
Chor überzeugte nicht nur durch wunderbare Detailarbeit, sondern auch
durch die Kunst, in großen Bögen zu gestalten.
Ähnliches lässt sich auch vom Organisten Johannes Trümpler
sagen. Kernig und wohltuend transparent waren seine Interpretationen von
Präludien und Fugen von Bach und Mendelssohn.
Bonner General-Anzeiger, 12.10.2009
Rund um Shakespeare
Der Bonner Kammerchor in der Uni-Aula
Von Guido Krawinkel
Ein Programm mit Shakespeare-Vertonungen hatte der Bonner
Kammerchor zusammengestellt, und wie meist, wenn dieses Ensemble in Erscheinung
tritt, hatte man viel Mühe darauf verwendet, musikalisch wie inhaltlich
etwas ganz Besonderes zu bieten.
Im Zentrum des Konzerts in der Uni-Aula stand mit den
»Sonnets and Interludes« von Michael Langemann für Chor und
Streichsextett eine Uraufführung. Die konzentrierten und facettenreichen
Stücke waren beim Kammerchor in den Besten Händen; das mit Isabelle Engels,
Yeo Young Yoon (Violine), Werner von Schnitzler, Hiyoli Togawa (Viola)
und Jakub Tylman und Kaori Yamagami (Violoncello) besetzte Streichsextett
hinterließ hier ebenso wie im ersten Satz aus Ralph Vaughan Williams'
Phantasy Quintett einen ausgezeichneten Eindruck.
Vielgestaltig war das Shakespeare-Repertoire, das man
unter dem Dirigat Philipp Ahmanns präsentierte. Alte Meister wie Thomas
Moreley und Thomas Tomkins waren genauso vertreten wie moderne Komponisten.
Hier stachen besonders Jaako Mäntijärvis originelle Shakespeare Songs
hervor, die der Kammerchor mit Witz, Leichtigkeit und Raffinesse gestaltete.
Aber auch sphärische Klänge und überirdische Entrücktheit
in Steven Sametz' »When he shall die« kamen bestens zum Ausdruck.
Insgesamt bestätigte der Bonner Kammerchor einmal mehr seine herausragende
Stellung in der Bonner Chorlandschaft.
Bonner General-Anzeiger, 12.05.2009
Emotionale Anteilnahme
Finale beim Schumannfest
Mathias Nofze
St. Maria Magdalena Der tief verschneite
Wald - Postkartenidylle oder Albtraum? Bei Paul Eluard ist er letzteres.
In seinem 1944 geschriebenen Gedicht »Un soir de neige« wird
der düstere Forst zum Symbol für die Einsamkeit und Verlorenheit des Menschen.
Francis Poulenc vertonte das Poem für gemischten Chor und bietet darin
seine ganze Kunst raffinierter Harmonik auf.
Der Bonner Kammerchor unter Leitung von Philipp Ahmann
sang das Werk im Abschlusskonzert des Endenicher Herbstes und lieferte
in der Kirche Sankt Maria Magdalena eine ungemein eindringliche Interpretation.
Das Ensemble besticht durch einen bewundernswert ausgeglichenen Gesamtklang
und durch eine dynamische Bandbreite, die vom chorischen Hauch bis zum
aufrüttelnden Fortissimo reicht.
Mit Brahms' »Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen«
stand ein zweites, gewichtiges Chorwerk auf dem Programm. Das Stück gilt
als Höhepunkt Brahmsscher Motettenkunst und erlebte eine mustergültige
Wiedergabe, mit fabelhaft durchsichtiger, mitunter tänzerisch schwingender
Kontrapunktik und hymnischer Kraft im Schlusschoral.
Das »Warum?« diente dem Programm auch als
Leitfaden, worüber ein kluger Text im Programmheft informierte. Die dargebotenen
Werke waren demnach als Vertiefungen der Brahms-Motette aufzufassen, Olivier
Messiaens »O sacrum convivium« etwa, dessen mystischer Klangzauber
sich dank staunenswerter Intonationsreinheit berückend entfalten konnte,
Maurice Duruflés »Quatre Motets« oder das so engelsrein gesungene
»Ave Maria« von Igor Strawinsky. Und mit Hingabe zelebrierte
der Chor vier Brucknersche Motetten. »Diese Stätte ist von Gott
gemacht«, heißt es da in einer, »es ist kein Makel an ihr«.
Was auch für das Konzert galt.
Bonner General-Anzeiger, 11.11.2008
Mystische Momente
Rechtzeitig zu Beginn des Herbstwetters ging der Kultursommer
zu Ende, wie er begonnen hatte: mit großer Musik im Altenberger Dom
Odenthal - Das gemischte Programm begann mit Verzögerung:
Staus rund um Altenberg hatten nicht nur das Publikum stark beeinträchtigt,
das im Dom das letzte Konzert des Kultursommers verfolgen wollte, sondern
auch bei den Musikern für Lücken gesorgt. Doch als dann der Bonner Kammerchor
unter Leitung von Philipp Ahmann begann, war von Lücken nichts mehr zu
hören. Anton Bruckners A-Cappella-Motetten erklangen in himmlischer Reinheit
und stimmlicher Wohlausgewogenheit. Die Intonation überzeugte bei jedem
Ton, und gerade im gehaltvollen Piano gelangen dem kultivierten Ensemble
wirklich mystische Momente. Bruckner hatte ja in diesem Kultursommer schon
einmal den Dom erfüllt, aber gerade diese vier komplexen Motetten, die
im grandios ausmusizierten »Ave Maria« gipfelten, nutzen die
komplizierte Dom-Akustik sehr glücklich.
Für Brahms' »Vier ernste Gesänge« hatten
die Bayer-Philharmoniker, die mit ihrem Dirigenten Rainer Koch im Mittelpunkt
des Abschlusskonzerts standen, sich die Mezzosopranistin Ingeborg Danz
geleistet. Sie hat eine weiche, sehr umfangreiche Stimme und gestaltete
die Lieder extrem einfühlsam, mit starker, ausdrucksvoller Dynamik. Das
riesige Werksorchester war blendend vorbereitet und spielte die etwas
bläserlastige Orchestrierung in bewundernswerter Intonation, konnte allerdings
nicht jedem Piano der Sängerin so folgen, dass die Klang-Balance immer
ausgewogen war.
Zum Ausklang gab es Camille Saint-Saens' Orgelsinfonie.
Das ist natürlich ein Werk wie für den Raum komponiert: irgendwo religiös,
aber vor allem großartig und bombastisch, in der Monumentalbesetzung,
bei der neben der Orgel sogar zwei Pianisten beschäftigt sind. Hier profilierten
sich zu den Bläsern die Streicher des Orchesters, durchhörbar, spielfreudig,
akzentreich. Rolf Müller übernahm als ortskundiger Organist den ergänzenden
Part, problemlos, sehr passend einregistriert. Die vielen Ausführenden
des Abends konnten mit dem stürmischen Applaus durchaus zufrieden sein.
(D.M.)
Beeindruckend interpretierte Vokalwerke
Mathias Nofze
Sankt Marien. Wie klingt die Nacht? Still und
friedlich oder angstvoll und bedrohlich? György Ligeti hörte aus den Nachtstunden
das Beklemmende, Bedrückende heraus, sein 1955 entstandenes Chorstück
»Nacht« (Éjszaka) schichtet Cluster um Cluster auf
von »Wäldern voll mit vielen Stacheln« spricht der Text ,
verbindet sie mit monotonen Rhythmen, lässt den Klang anschwellen, schriller
werden. Diesen Musik gewordenen Albtraum realisierte der Bonner Kammerchor
in Sankt Marien in Bad Godesberg unter Leitung von Philipp Ahmann auf
geradezu mustergültige Weise, nicht anders als das Gegenstück »Morgen«.
Die beiden Chorwerke lieferten das Motto für das gesamte,
sehr durchdachte und aufschlussreiche Programm, das Chormusik aus Romantik,
Spätromantik und Moderne von Schubert, Schumann, Brahms, Rheinberger und
Reger unter dem Titel »Nacht und Morgen« enthielt. Der Kammerchor,
besetzt mit 24 Frauen- und 16 Männerstimmen, erzielte ein überragend ausgewogenes
Klangbild, das den filigranen, schwebenden Charakter etwa der Bearbeitung
des Schumannschen »Mondnacht« wunderbar zur Geltung brachte.
Insgesamt bewegten sich die Interpretationen auf allerhöchstem Niveau,
was Klangkultur, Intonationssicherheit und Variabilität des Ausdrucks
anlangt.
Zur Vielschichtigkeit des Programms trug das Aaron-Streichquartett
mit Dvoraks »Zypressen« und Weberns Bagatellen bei. Der unvergessliche
Abend endete mit der einzig möglichen Zugabe: »In stiller Nacht«.
Bonner General-Anzeiger, 17.06.2008
Ein zartes Wunderwerk aus Nuancen
Der Bonner Kammerchor überzeugt in St. Maria-Magdalena mit einem ausgefeilten
»Lamenta«-Programm
Guido Krawinkel
»Lamenta« hatte der Bonner Kammerchor sein
Programm betitelt, das er in der Endenicher Kirche St. Maria Magdalena
präsentierte. Philipp Ahmann, schon auf dem Sprung nach Hannover, wo er
ab der kommenden Saison neuer NDR-Chordirektor wird, hatte in bewährter
Manier Altes und Neues kombiniert, so dass etwa Werke von Carlo Gesualdo
und Francis Poulenc oder Heinrich Schütz und Johannes Brahms einträchtig
nebeneinander standen.
Musikalisch zeigte sich der Bonner Kammerchor wie immer
bestens vorbereitet, so brachten auch Gesualdos enharmonische Irrfahrten
oder Poulencs zuweilen haarsträubende Modulationen die Intonation des
Chores nicht ins Wanken.
Schütz' wortgezeugte Kompositionsweise kam ebenso gut
zur Geltung wie beispielsweise der dramatische Impetus in Felix Mendelssohn
Bartholdys Motette »Mein Gott, warum hast du mich verlassen«.
Mit Intermezzi für Saxophon Solo bereicherte Erik Nestler
das Programm. Die vom programmatischen Kontext des Konzertes losgelösten
Stücke von Eugène Bozza, Claude Debussy und Benjamin Britten setzten musikalische
Kontrapunkte und fügten sich bestens in die dichte Atmosphäre des Programms
ein.
Bonner General-Anzeiger, 17.03.2008
Kammerchor singt in Sankt Remigius
Konzert mit Pärt und Buxtehude - Werke von Mendelssohn-Bartholdy und
Stravinsky
Fritz Herzog
Des Mittags, zur Marktzeit, a cappella in St. Remigius,
des Abends festlich, mit Orgel und dem Düsseldorfer Posaunenquartett in
St. Maria Magdalena: Unter das Motto »Magnificat« hat der
Bonner Kammerchor am Wochenende seine traditionelle Musik zum Advent gestellt.
Eingerahmt von zwei stilistisch höchst unterschiedlichen
Vertonungen dieses psalmartig biblischen Lobgesangs auf die Jesu-Mutter
Maria von Dieterich Buxtehude und Arvo Pärt, hatte der Chor unter Leitung
von Philipp Ahmann weitere Werke zum Advent von Andreas Hammerschmidt,
Heinrich Schütz, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Thomas Adès und Igor Stravinsky
präpariert.
Flankiert wurden diese von Choralbearbeitungen
für Posaunenquartett und Orgelimprovisationen von Michael Otto. Sehr beweglich,
mit luftig schlanker Stimmführung und sauberer Intonation und Artikulation
behauptet der Bonner Kammerchor souverän seine Ausnahmestellung. Solistische
Aufgaben (bei Mendelssohn) wurden aus dem Chor heraus (mit indes ein wenig
dünnem Sopran) gestaltet.
Schwebendes Pianissimo und blitzsaubere Übergänge
sind weitere Merkmale der hohen Gesangskultur. Ganz besondere Ausdrucksdichte
entwickelt der Chor bei Pärts 1989 entstandenem Marienlob, wie überhaupt
das 20. Jahrhundert neben Frigyes Hidas' »Scherzo e chorale«
(ein Stück für Posaunenquartett) mit seinem punktierten Rhythmus, mit
Thomas Adès' »The fayrfax coral« von 1997 oder selbst des
»Sacre«-Komponisten Igor Stravinsky »Ave Maria«-Vertonung
von 1949 das Chor-Repertoire anspruchsvoll erweitern. Als Zugabe gab's
im Tutti Johann Sebastian Bachs »Wachet auf«.
Bonner General-Anzeiger, 3.12.2007
Engelgleich
Laura Engels
Ausnahmsweise mal nach Übersee richtete sich der Blick
in der Herz Jesu Kirche am Postweg: Im Rahmen der Konzertreihe zum 100-jährigen
Bestehen der Pfarrgemeinde gastierte der Bonner Kammerchor mit »Overseas«
und präsentierte die hier wenig bekannte Chormusik des 20. und 21. Jahrhundert
aus dem englischsprachigen Raum.
Die rund 40 Sängerinnen und Sänger legten unter Philipp
Ahmann einen eindrucksvollen Einstieg hin. Gustav Holsts »Nunc dimittis«
(1915) für Sopran und Tenor Solo und achtstimmigen gemischten Chor wendet
sich der Renaissance-Musik zu und besticht vor allem durch die Verwendung
modaler Skalen und einem antiphonischen Aufbau (Wechsel zwischen Männer-
und Frauenchor).
»Christus vincit« (1994) von dem Schotten
James MacMillan wurde für die St. Pauls Cathedral in London komponiert
und ist durch Generalpausen gegliedert, die dem natürlichen Hall der Kathedrale
Rechnung tragen. Auch in der Kirche am Postweg nahm sich der Chor die
Zeit, den Klang immer wieder wirken und nachhallen zu lassen.
Ihre gute stimmliche Ausstattung stellten die Sängerinnen
und Sänger auch bei Matthew Hindsons abschließendem »Home«
(2001) unter Beweis. Die Verbindung von metrisch gebundener Melodie und
improvisatorischer Begleitung im Hintergrund machte hier den besonderen
Reiz aus. Fast fühlte man sich wie die Jungfrau und Märtyrerin Cäcilia
aus dem dritten Jahrhundert, die in Benjamin Brittens »Hymn to St.
Cecilia« (1942) porträtiert wird: Sie soll dem Himmel so nah gewesen
sein, dass sie die Engel singen hören konnte.
Dieses außergewöhnliche Erlebnis belohnten die Zuhörer
mit starkem Applaus, der lange nicht abbrach.
Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 05.05.2005
St. Elisabeth präsentiert »Hymn to St.
Cecilia«
Mathias Nofze
»Heilige Cäcilia, erscheine allen Musikern
als Traumbild«, lautet die Bitte im Refrain von Benjamin Brittens
»Hymn to St. Cecilia« für Chor a-cappella auf einen Text von
W.H. Auden. Um den friedlichen Schlummer des Tonsetzers ist es damit allerdings
geschehen. »Und schrecke die komponierenden Sterblichen mit unsterblichem
Feuer auf«, heißt es weiter.
Eine ebenso lodernde Intensität verlangt die beschwörende
Musik von den Ausführenden. In der Kirche St. Elisabeth ließ der Bonner
Kammerchor unter Philipp Ahmann in puncto Hingabe und Ausdruckskraft keine
Wünsche offen. Britten fordert in dem ausgedehnten Stück die Sänger bis
aufs Äußerste, versenkt die Bässe mal in abgrundtief schwarze Register,
hebt die Sopräne in überirdische Höhen, die Partitur strotzt vor Schwierigkeiten
und verschränkt musikalische Geschichte und Gegenwart auf magische Weise.
Dass der Chor angesichts der Herausforderungen
in einigen Passagen an seine Grenzen stieß, kann da kein Vorwurf sein.
Bewundern muss man vielmehr den ausgeglichenen, stimmlich schlanken Gesamtklang
und die Flexibilität in der Gestaltung. Zudem konnte man erleben, dass
der Chor in den eigenen Reihen über herausragende Solisten verfügt.
Der seit fast zwei Jahren amtierende Philipp Ahmann,
der in Köln unter anderem noch die Kartäuser-Kantorei leitet, hatte ein
Programm erarbeitet, das sich in Bonn nur sehr wenige Chöre zutrauen dürften.
Es führte die Zuhörer »Overseas«, zu Chormusik aus dem englischsprachigen
Raum, und hielt ein Plädoyer für verständliche, gleichwohl kunstvolle
Musik.
Geheimnisvoll raunen die Klangflächen in Eric Whitacres
»Songs of Faith«. Der Komponist formt darin Worte wie »Love«
oder »Hope« zu minimalistischen Klangblöcken. Exaltierter
und hermetischer wirkt »Christus vincit« von James MacMillan.
Ein wenig Balsam für die Stimmbänder lieferte Gabriel Jacksons akkordsattes
»O sacrum convivium«.
Chorjuwelen waren vier Motetten von Aaron Copland,
die romantische Emphase mit Anleihen im Volkslied verbinden. Das Ensemble
betörte mit duftigen Vokalisen, hymnischer Kraft und inniger Schlichtheit.
Und dass sie improvisatorische Freiheiten kreativ zu nutzen verstehen,
bewiesen die Sänger im Schlussstück: »Home« von Matthew Hindson.
Das gleiche Programm ist am 1. Mai, um 20 Uhr in
St. Severin in Köln zu erleben.
Bonner General-Anzeiger, 30.04.2007
Vorbildliche
Präzision
Der Bonner Kammerchor bei Cantabonn in St. Maria
Magdalena
Guido Krawinkel
Dem Motto des Cantabonn-Festivals folgend war das
Programm, mit dem der Bonner Kammerchor unter der Leitung von Philipp
Ahmann in der Endenicher Kirche St. Maria Magdalena gastierte, spiegelbildlich
angeordnet. Im Zentrum des Konzertes standen Messen von Giovanni Pierluigi
da Palestrina und Frank Martin, die von Salve Regina-Vertonungen Francis
Poulencs und Orlando die Lassos gerahmt und am Anfang und Ende des Konzertes
durch Motetten von Tomàs Luis de Victoria und Olivier Messiaen
über »O sacrum convivium« eingefasst wurden. War schon die
Konzeption des Konzertes außerordentlich beziehungsreich und durchdacht,
so gelang die musikalische Seite nicht viel weniger überzeugend.
Die Alte Musik ließ Ahmann von einer kleinen, kreisförmig
aufgestellten Besetzung im Hochchor der halligen Kirche singen. Das war
für die Abstimmung des Ensembles an sich zwar zweifelsohne sehr vorteilhaft,
war doch der Gesamtklang von mustergültiger Reinheit und Einvernehmlichkeit
sowie die Präzision absolut vorbildlich. Leider wurde die kunstvolle Polyphonie
der Werke Victorias, Palestrinas und Lassos so auf ihre atmosphärische
Komponente reduziert, Prozesse blieben trotz der auch-durch die schlanke
Führung aller melodischen Linien mustergültige Interpretation bestenfalls
erahnbar.
In einem weniger problematischen akustischen Umfeld
und bei direkterem Kontakt zum Publikum wäre Ahmanns Kunstgriff sicherlich
ein probates Mittel gewesen, so ging er leider auf Kosten der polyphonen
Transparenz, Die modernen Werke sang man wie gewohnt mit direktem Kontakt
zum Publikum und zeigte die bekannten Stärken: eine glasklare Intonation,
die beispielsweise auch bei Messiaens Sakramentsmotette allen Widrigkeiten
trotzte, und eine dynamische Bandbreite, die auch Martins eindrucksvolle
Messe für Doppelchor zu einer Sternstunde mit luftig genommenen Spitzentönen
und sonoren Tiefen werden ließ.
Bonner General-Anzeiger, 10./11. JUNI
2006
Philipp Ahmann dirigiert den Bonner Kammerchor
Mathias Nofze
REMIGIUSKIRCHE. »0 magnum mysterium«
unter dieses Motto stellte der Bonner Kammerchor sein Konzert zur Marktzeit
in St. Remigius, das auffallend gut besucht war. Gleich drei Vertonungen
dieses Textes waren im Programm vertreten. In den samtigen Anfangsakkorden
der ersten der vier Weihnachtsmotetten zur Weihnachtszeit von Francis
Poulenc glaubt man das Mysterium geheimnisvoll schimmern zu sehen, jedenfalls,
wenn sie so dunkel leuchtend erklingen, wie es dem Kammerchor gelang.
Bereits in diesem Stück überzeugte das Ensemble durch fabelhafte Klangkultur
und Intonationssicherheit. Die war noch stärker gefordert in Peter Maxwell
Davies' »Magnum mysterium«, das ein dichtes Klangband aus
dissonanten Reibungen webt. Ein heikles Stück, das vom Kammerchor unter
seinem neuen Leiter Philipp Ahmann glänzend realisiert wurde. In spätromantischer
Vorhaltsharmonik geradezu baden durfte das Ensemble schließlich in der
»Mysterium« Vertonung von Morten Lauridsen. Ein sehr viel
differenzierteres Vokabular nutzt Trond Kverno in seiner »Ave maris
stella« Vertonung, in der er erregte Ostinati, ekstatische Steigerungen,
psalmodierende Wendungen und liedhafte Melodik verbindet. Das Ensemble
deutete die Vielschichtigkeit mit souveräner Gestaltungskraft aus. In
Benjamin Brittens feinsinnig und ergreifend dargebotener »A hymn
to the virgin« überzeugte zudem ein aus Chorsängern gebildetes Soloquartett.
Alt und Neu verbanden sich schließlich in »Es ist ein Ros entsprungen«
von Sven David Sandström. Den altehrwürdigen Liedsatz, der abschnittweise
und im Zeitlupentempo erklingt, bettet er in eine gläsern wirkende Akkordlandschaft,
die vom Kammerchor wunderbar schwebend gesungen wurde.
Bonner General-Anzeiger, 19.12.2005
Lieder zwischen Rührung und Basta
Ovationen für Peter Henn beim Abschied vom
Bonner Kammerchor - Wehmut, aber auch Dankbarkeit für das Erreichte
Guido Krawinkel
Bonn.
Eine Ära geht zu Ende. Fast ein Vierteljahrhundert hat Peter Henn den
Bonner Kammerchor geleitet und zu einem Markenzeichen für qualitätsvollen
Chorgesang gemacht. Nun muss er, kurz vor dem Jubiläum, der Gesundheit
Tribut zollen und die Leitung in neue Hände geben.
Das
Abschlusskonzert sinnigerweise in der Aula der Bonner Universität,
wo der Chor 1973 gegründet worden war stand unter dem Motto »Lieder
zwischen Rührung und Basta«, was die Stimmung und die wie immer
vielfältige und beziehungsreiche Programmauswahl treffend beschrieb. Ein
wenig Wehmut war zu spüren, aber auch Dankbarkeit für das Erreichte.
Mit
dem »Lob der Träne« von Ernst Pepping, stand jenes Stück am
Anfang des Konzertes, mit dem Henn sich vor 23 Jahren um die Leitung des
Bonner Kammerchores beworben hatte. Seitdem hat Henn den Chor zu einer
Institution gemacht und mehrfach bei Wettbewerben zum Erfolg geführt.
Sein Markenzeichen ist der kultivierte und natürlich wirkende Ensembleklang,
der polyphone Musik mit großer Transparenz durchhörbar werden lässt, für
romantische Werke dagegen ein sattes klangliches Fundament bietet.
So
etwa in Chören von Ralph Vaughan Williams: Glockenimitationen und komplexe
Akkorde in »Full fathom five« waren farblich und klanglich
optimal austariert, die raffinierte Harmonik und der monumentale Gestus
in »The cloud-capp'd towers« verbanden sich zu einem Cinemascope-Sound
mit wunderbar samtigen Schluss.
Die
Kunst, jedes einzelne Werk eigenständig zu interpretieren, demonstrierte
der Kammerchor auf ganz unterschiedliche Weise: Witzig und pointiert in
der Chanson »Puisque tout passe«, gefühlvoll aber kitschfrei
mit Werken der deutschen Romantik, unter anderem einem wirklich rührenden
»Abschied vom Walde« von Felix Mendelssohn Bartholdy.
Ungeahnte
Qualitäten bewies Henn mit einem quasi halbszenischen Dirigat, als er
mit drastischen Gesten ein Gewehr imitierend die schauerliche Moritat
»Zum Tanze da geht ein Mädel« von Hugo Alfvén dirigierte:
präzise, beschwingt und humorvoll sang man dieses köstliche Stück. Bereichert
wurde das gut zweistündige Programm durch Bernhard Zapp, Violoncello,
und Gregor Sommer, Klavier, die drei Fantasiestücke op. 73 von Robert
Schumann spielten. Am Ende gab es in der fast voll besetzten Uni-Aula
stehende Ovationen für Henn und den Chor.
Bonner General-Anzeiger, 20.06.2005
Anfang und Ende mit dem Lob der Tränen
Nach 22 Jahren gibt Peter Henn die Leitung des Bonner
Kammerchors ab In seiner Ära erreichte die A-cappella-Formation
ein Niveau, das Vergleiche mit professionellen Ensembles nicht scheuen
muss
Bernhard Hartmann
»Der Bonner Kammerchor war ein Glücksfall für mich«,
lobt Peter Henn das Ensemble, dessen Leitung er vor 22 Jahren übernahm.
Es fällt ihm daher nicht leicht, das Ensemble drei Jahre vor dem Silberjubiläum
zu verlassen. Allerdings hätten gesundheitliche Probleme in den vergangenen
Monate den Schritt notwendig gemacht, wie er jetzt in einem Gespräch im
Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, wo er als Musiklehrer wirkt, erklärte.
Den Bonner Kammerchor beschreibt Henn selbst als Laienchor
mit professionellem Anspruch. Dass er damit nicht falsch liegt, haben
nicht zuletzt die über die gesamte Ära verteilten nationalen und internationalen
Wettbewerbserfolge gezeigt. 1985 hatte ein Formfehler den Sieg beim Deutschen
Chorwettbewerb verhindert: »Ich hatte das falsche Pflichtstück einstudiert«,
erinnert Henn sich heute mit einem Lächeln. Aber schon 1986 führte er
seine Sängerinnen und Sänger im italienischen Arezzo ebenso zum Sieg wie
beim Deutschen Chorwettbewerb 1990 in Stuttgart. Auch beim Landeschorwettbewerb
2001 in Hamm waren die Bonner erfolgreich.
Doch der Gesang des Kammerchors begeistert nicht nur
die Ohren von Kritik und Juroren, sondern auch die des Publikums. Es gibt
längst eine fest eingeschworene Stammgemeinde, die sich die Konzerte des
Bonner Kammerchors nicht entgehen lässt. Die anspruchsvollen Konzertprogramme,
in denen der Chor in Riesenschritten die Jahrhunderte des mehrstimmigen
Gesangs durchschreitet, machen neben dem hohen Niveau ihrer musikalischen
Umsetzung eine ganz besondere Attraktivität des Ensembles aus.
»Wir gehören zu der aussterbenden Gattung der Chöre,
die sich noch regelmäßig einmal pro Woche treffen und sich Stücke über
einen längeren Zeitraum erarbeiten«, sagt Peter Henn. Das habe auch
eine starke soziale Komponente. Unter den etwa vierzig Mitgliedern finden
sich alle Altersgruppen. Musiklehrer, Schüler, Studenten, Juristen, Naturwissenschaftler
und Handwerker feilen gemeinsam am perfekten Chorklang. Die vielen Auslandsreisen,
die den Chor unter anderem nach Russland, Japan, Italien, England, Skandinavien,
Chile und zuletzt nach Ungarn führten, stärkten die Gemeinschaft. Und
sie führten zu vielen Freundschaften mit ausländischen Chören, von denen
einige auf Einladung der Bonner einen Gegenbesuch in der Beethovenstadt
absolvierten.
Peter Henn wurde 1948 in Kinheim an der Mosel geboren,
studierte in Köln neben Kirchen-, Schulmusik und Chorleitung auch Violoncello
bei dem vor wenigen Tagen Tagen verstorbenen Siegfried Palm. In Bonn hat
er sich der hauptberufliche Musiklehrer mit seinem Chor immer gut aufgehoben
gefühlt. Als einen wichtigen Schritt für die Anerkennung der seiner Arbeit
und die der Kollegen sieht er das im vergangenen Jahr erstmals veranstaltete
Festival »CantaBonn«.
Das Motto des Abschiedskonzerts am Freitag, 17. Juni,
20 Uhr, in der Aula der Bonner Universität, ist typisch für Peter Henn:
»Konzert zum Abschied - Lieder zwischen Rührung und Basta«,
lautet. Romantische Kompositionen von Mendelssohn und Schumann sind da
ebenso vertreten, wie Impressionistisches von Debussy und Ravel oder Alte
Musik von Leonhard Lechner und Heinrich Isaac. Eröffnet wird das Konzert
mit Ernst Peppings »Lob der Tränen«. »Vor 23 Jahren
hatte ich mich mit diesem Stück beworben«, erzählt er. Das Konzert
wird noch einmal am Sonntag, 19. Juni, 17 Uhr, im Innenhof der Wachtberger
Burg Adendorf wiederholt.
Doch auch nach diesen Konzerten wird es für den Chor
weitergehen. Der bevorstehende Wechsel an der Spitze löst daher nicht
nur Wehmut, sondern auch so etwas wie Aufbruchstimmung aus. 25 Dirigenten
haben sich um die für einen Chorleiter höchst attraktive Stelle an der
Spitze des Bonner Kammerchors beworben. Namen werden freilich noch nicht
genannt.
Bonner General-Anzeiger, 11.06.2005
»O Lamm Gottes unschuldig«
Musik zur Passion
Unter dem Titel »Wunderbar homogen und samtig
weich« schrieb Bernhard Klaßen
im : (...) »Agnus Dei – die vielfach
wiederholte Anrufung mit der Bitte um Frieden in ganz verschiedenartigen
Vertonungen des Messetextes gab dem Konzert den besonderen Ernst und wurde
mit einer Innerlichkeit gesungen, die eine Atmosphäre von geradezu Feierlichkeit
und Andacht in der Remigiuskirche erzeugte. Das in jeder Hinsicht herausragende
Konzert zeichnete sich allein schon durch besonders gelungene Programmgestaltung
aus: fünf Agnus-Dei-Vertonungen – drei mal 20. Jahrhundert, zwei mal um
1500 – jeweils im Wechsel mit fünf Sarabanden aus Bachs Cello-Solosuiten,
gespielt von der junge Heike Schuch, das Ganze umrahmt von Messiaens »O
sacrum convivium« und Knut Nystedts
»Stabat mater«
zum Abschluss. Besonders beeindruckte Pendereckis hochexpressives Agnus
Dei von 1981 durch ergreifend herausgearbeitete Entwicklung zur Atonalität
im scharfen Schmerz des »Peccata«-Aufschreis.
Hier wirkte die musikalische Umsetzung niemals formal »ausgedacht«,
sondern, bei höchstem technischen Können, stets als quasi natürlicher,
aufrichtig empfundener Ausdruck. Der Chorklang hat sich in den letzten
Jahren noch entwickelt,. ist wunderbar homogen und von samtig weicher,
runder Tongebung in allen Registern. (...)«
Bonner General-Anzeiger, 16.03.2005
Chorjubiläum: 30 Jahre Bonner Kammerchor
Der Bonner Kammerchor feierte im Jahr 2003 sein 30jähriges
Bestehen. Ein Höhepunkt der Festaktivitäten in jeglicher Hinsicht
war das Jubiläumskonzert am 13. Juli. Wir zitieren aus der Kritik
des Generalanzeigers vom 19. Juli 2003:
»Wanderkonzert« mit dem Bonner Kammerchor
Mit einem "Wanderkonzert"
an fünf Bonner "Klangstätten" hat der Bonner Kammerchor
sein 30-jähriges Bestehen gefeiert
Sophie Schütz
Bonn. Gemessen am durchschnittlichen
Zulauf zu reinen Chorkonzerten war dies sicher ein "Mega-Event".
Oder doch besser: ein Ereignis, ein Erlebnis. Jedenfalls mehr als ein
Chorkonzert. Ein "Wanderkonzert" an fünf Bonner
"Klangstätten" hatte der Bonner Kammerchor zu seinem 30-jährigen
Bestehen angekündigt. Es wurde ein perfektes Unternehmen, bei dem
der Chor und sein Leiter Peter Henn die von Klangstätte zu Klangstätte
zahlreicher werdenden Gäste an die schönsten Flecken von Bonn
führte.
Zu jedem Ort hatte Henn die passende
Musik ausgesucht. Motetten von Schütz und Bach für die barocke
Kreuzbergkirche, europäische Madrigale für den Innenhof des
Poppelsdorfer Schlosses, frühe Ein- und Mehrstimmigkeit aus der Entstehungszeit
des Bonner Münsters, Jazz und Pop im Arithmeum und schließlich
klangschöne Motetten der Romantik und Moderne in der Schwarz-Rheindorfer
Doppelkirche, gesungen aus Ober- und Unterkirche.
Insgesamt rund 500 Besucher wanderten
fast sechs Stunden lang von Ort zu Ort mit, standen bei Kaffee und Kuchen
am Hofgarten beisammen und setzten mit der "Rheinnixe" in zwei
Fuhren über den Rhein.
Gut gestimmt und sehr entspannt
präsentierte Henn seinen Chor, der sich in allen Stilrichtungen hörbar
wohl fühlte. Zwei "Eckpfeiler", die die Bandbreite des
Chores deutlich machen: Das schwerelose Marienlob von Hildegard von Bingen,
von den Frauenstimmen unter Leitung von Christian Eckelt aus der Apsis
des Münsters gesungen, und der Chorsatz "Summertime", dem
Chormitglied Gregor Laumann als Solist im Arithmeum den nötigen Blues
gab.
15 bis 20 Minuten dauerte jedes
Konzert - wohlschmeckende Häppchen, gerade so dosiert, dass das Publikum
nie ganz satt wurde. Und so blieben nach dem letzten Konzert fast alle
Gäste auf dem Kirchplatz, um den letzten Zugaben zu lauschen. Eine
schöne Hommage des Kammerchores an seine Stadt. Die Mitglieder denken
schon über weitere "Klangstätten" für die kommenden
Jahre nach.
18.07.2003
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